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Dankesrede von Erich J. Lejeune anlässlich der Verleihung des Europäischen Steuerzahlerpreises 1999

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrter Herr Vizepräsident Dr. Friedrich        
sehr geehrter Herr Präsident Professor Dr. Friedmann,
sehr geehrter Herr Präsident Baron von Hohenhau,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

es ist für mich eine große Ehre, den Europäischen Steuerzahlerpreis 1999 entgegennehmen zu dürfen und ich möchte mich deshalb für diese hohe Auszeichnung sehr herzlich bedanken.
Europa hatte ja in diesem zurückliegenden Jahr nicht gerade eine gute Presse. Misswirtschaft und Versagen weniger haben die europäischen Institutionen insgesamt in Verruf gebracht. Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass das neugewählte Parlament und die neue Kommission die Chance für einen wirklich neuen Anfang und dringend notwendige Reformen nutzen und so verlorengegangenes Vertrauen bei den Menschen zurückgewinnen können.
Bei aller, auch berechtigten Kritik an europäischen Entscheidungen, sollten wir allerdings nicht vergessen, dass die europäische Politik nicht besser sein kann, als es die Summe der Politik in den einzelnen Mitgliedsstaaten ist.

Es ist leider gerade in Deutschland Mode geworden, notwendigen Entscheidungen dadurch auszuweichen, dass man Problemlösungen auf europäischer Ebene anmahnt.
Im Klartext: Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland lässt sich nur in Deutschland selbst erfolgreich bekämpfen, durch einen flexibleren Arbeitsmarkt, durch Bürokratieabbau und vor allem durch eine längst überfällige Steuerreform, die der Wirtschaft wieder Luft zum atmen verschafft. Wer hier auf Europa wartet, verschiebt die Lösung der Probleme auf den St. Nimmerleinstag.
Ich finde es auch einigermaßen absurd, wenn einige heute neuen europäischen Steuern das Wort reden. Wir brauchen nicht weitere Steuern, sondern weniger und vor allem niedrigere.
Ein wirkliches Ärgernis ist, dass mit dem Abbau von Subventionen auch in Europa praktisch nichts vorangeht. Als jemand, der in seinem Unternehmerleben noch nie einen Pfennig staatlicher Zuwendung erhalten hat, sage ich: Subventionen sind wie Drogen. Erst betäuben sie Antriebskräfte wie das Streben nach Leistung und Erfolg und töten sie schließlich ganz ab.
Wenn wir im weltweiten Wettbewerb wieder an die Spitze wollen, müssen wir weg von der Subventionsnadel.
Wir sprechen heute viel von Globalisierung und verbinden diesen Begriff vor allem mit der rasanten Entwicklung der Informationstechnologie. Das ist aber nur die halbe Wahrheit.
Als ich vor 23 Jahren die Consumer Electronic gegründet habe, gab es kein Internet, keine E-Mail, kein Handy und kein Faxgerät. Stattdessen legte ich Lochstreifen in einen ratternden und knatternden Fernschreiber.
Dennoch waren wir vom ersten Tag an ein global operierendes Unternehmen. Was ich damit sagen will ist: Globalisierung beginnt im Kopf.
Vor allem in den Köpfen vieler Politiker herrscht noch nicht ausreichend Klarheit darüber, welche Folgen mit der Globalisierung, mit einem weltweiten Wettbewerb verbunden sind, bei dem räumliche Entfernungen und Zeitgrenzen keinerlei Rolle mehr spielen.
Die Politik wird zur Kenntnis nehmen und akzeptieren müssen, dass nicht mehr sie in erster Linie die Bedingungen für diesen Wettbewerb festlegt, sondern die Märkte. Eine Politik, die versuchen wollte, diese Entwicklung zu ignorieren oder gar gegen die Märkte zu regieren, muss unvermeidlich scheitern.
Es ist daher im wohlverstandenen Eigeninteresse der Politik, die Wirtschaft zu unterstützen. Umgekehrt haben aber auch Global Players ihre Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen.
Ein Unternehmen wie die ce ist von herkömmlichen Standortfaktoren praktisch unabhängig. Ich könnte es von jedem Ort der Welt aus führen, wo noch nie jemand das Wort Steuern in seinem Leben jemals gehört hat.
Aber gerade meine zahlreichen Auslandsreisen haben mich gelehrt: Im Gegensatz zu Geld und Chips braucht der Mensch eine Heimat. Man kann virtuell gute Geschäfte machen, aber man kann nicht in einem virtuellen Raum leben.

Ich würde mit keinem guten Gewissen über unsere Autobahnen fahren, unsere U- und S-Bahnen benutzen, Theater und Konzerte besuchen, die gepflegte Landschaft des Tegernseer Tals genießen, wenn ich mir eingestehen müsste, der Schaffung und dem Erhalt dieser hervorragenden Infrastruktur meinen Beitrag zu verweigern.
Deshalb war ich viele Jahre VIP-Kunde von Herrn Waigel, bin es jetzt von Herrn Eichel und habe selbst während des Intermezzos von Herrn Lafontaine nie an Austritt aus dem Club ehrlicher Steuerzahler gedacht.
Ich möchte, dass meine Heimat - Deutschland, Bayern, München - an meinem Erfolg teilhat und genieße ihn dadurch umso mehr.
Allerdings wünschte ich mir schon, dass mit meinen Steuergeldern und denen aller anderen Bürgerinnen und Bürger sehr viel sorgfältiger umgegangen wird. Und deshalb betrachte ich den Bund der Steuerzahler auch als meine persönliche Interessensvertretung und danke Herrn Baron von Hohenhau für die verdienstvolle Arbeit seines Verbandes auf bayerischer, deutscher und europäischer Ebene.
Ich danke zum Schluss noch einmal sehr herzlich für den mir heute verliehenen Preis und wünsche uns allen noch gute und fruchtbare Gespräche.